Story of my life #45

Für die Zeit des Wechsels von Gemen nach Aachen ergibt sich für mich rückwirkend auf die Story of my life ein kleines Dilemma. Ich habe bisher versucht, eine Chronologie einzuhalten, was mir nicht ganz gelungen ist. So gehen die Ereignisse der letzten drei Geschichten eigentlich munter durcheinander und, was noch viel ärgerlicher ist, es fallen mir zwischendurch immer wieder neue Dinge ein, die auch hätten einen Platz finden müssen. Vielleicht erfolgt später mal eine Revision der Nummerierung oder ich arbeite mit Buchstaben kleine Miniexkurse ein.

Meine Erinnerung lässt mich auch genau für den Zeitraum Juni bis Oktober 1996 ein wenig im Stich, wenn es um die genaue Abfolge Abschied, Einschreibung, Wohnungssuche, Praktikum und Umzug geht. Aber egal….

Es galt vor dem Auszug aus meiner Rapunzelkammer noch einen Abschied in Kombi mit dem 21ten Geburtstag zu feiern. Hierfür durfte ich auf den Burgkeller zurückgreifen und lud alles ein, was mir lieb und teuer war. Es war ein schönes Fest, wahrscheinlich auch deshalb, weil eine Absage mich davor bewahrte meinen Kopf zu sehr mit nur einem anstatt mit allen Gästen zu beschäftigen und so durfte ein letztes mal während ich auf der Burg wohnte zur guten Nacht die Wendeltreppe ins Turmzimmer erklommen werden. Ich gebe zu,
Parallel folgte ich Sebastians Einladung nach Aachen, um mich hier, nachdem ich mich bereits an der RWTH eingeschrieben hatte, nach einer Wohnung umzusehen. Ich kam in Kontakt mit einem befreundeten Bauingenieur, der bei einer Studentenverbindung wohnte, die noch Platz in ihrem Wohnheim hatten.

Studentenverbindungen waren (und sind?) an den großen Unis ein Thema. Das Konzept, eine Kameradschaft zu bilden, die letzten Endes dazu führt, dass man am Ende eines Seils hängend, auf das am anderen Ende des Seiles haltende Vitamin B vertraut. Da gibt es natürlich solche und solche und wer sich damit beschäftigt, findet schnell heraus, das reiner Wertkonservativismus nicht bei allen ausreicht, um mitzuspielen. Manch eine Schärpen gegürtete, Alkohol beseelte und Säbel schwingende Truppe mit so klingenden Namen wie „Libertas“ oder „Teutonia“ pflegt im geschlossenen Kreis offen nationalistische oder rassistische Weltanschauungen, die ich seit jeher mindestens suspekt, wenn nicht sogar bescheuert finde. Zu einer solchen zählte die, mit der ich nun im Kontakt stand, ganz offensichtlich nicht. Gerade weil diese Verbindung nicht den Reiz von fackelbewehrten Märschen, Rechtsaußen Ideologie und martialischer Klingenkreuzerei vor sich her trug schien sie Nachwuchsprobleme zu haben.

Ich besuchte das Wohnheim und hatte einen Termin mit dem Fuchswart, dem Burschen, der für die Unterhaltung des Wohnheims und die Rekrutierung des Nachwuchses verantwortlich war. Ich kann mich nicht mal mehr an den Namen der Verbindung erinnern; dass ist aber nicht weiter wichtig. Das Wohnheim bestand aus vier Etagen eines Hauses vis-a-vis dem Aachener Theater über einer Gaststätte mit angegliederter Minikneipe (die ich während meiner Zeit dort nicht ein einziges Mal besuchte…). Das Kennenlernen aller war sehr nett und die Entscheidung schnell gefallen. Mit der Aussage zufrieden, ich würde mir den Verein mal anschauen und man würde ja dann sehen, ob das was für mich ist, sagte man mir alsbald ein Zimmer zu. Somit war auch diese Hürde genommen.

Was fehlte jetzt noch, ach ja, das Praktikum und natürlich die Lösung der Finanzfrage.

Begleitet wurde ich auf dieser Reise von Musik, die zu der Sorte gehört, die ich für mich selbst als Geheimtipp betrachtete und dieser in meinem damaligen Freundeskreis auch durch niemanden geteilt wurde. So blieb sie mir sehr exklusiv! Für einen Musikbesessenen wie mich ist das etwas Wunderbares. Da ist Musik, die ist so großartig, aber gleichzeitig so speziell, dass sie nur auf genau mich zu passen scheint. Hier macht die düstere Stimmung (die zu meiner ganz und gar uneuphorischen, tiefst melancholischen Empfindung dieser Übergangszeit passte), die angemessene Härte und der teils dramatische Aufbau die Faszination aus. Im Nachhinein betrachtet ist es mir völlig unverständlich, warum ich dem Künstler Carl McCoy, der hier unter dem Projektnamen „The Nefilim“ firmiert, nicht weiter nachspürte. Hatte er doch mit den „Fields of the Nefilim“ bereits Musikgeschichte geschrieben, die sich mir erst in ihrem vollen Ausmaß 22 Jahre später (!) auf dem Fabrikkonzert im November 2018, dass mich nachhaltig beeindruckt hat, erschloss.

The Nefilim – Zoon (Part3)