Story of my life #60

Weiter gen Süden!

Italien besitzt neben der unbestreitbaren landschaftlichen Reize und leckeren Küche auch einen Hang zur Katastrophe. Man nehme nur die wiederkehrende Wahl des Trump Vorreiters, Bunga Bunga Berlusconi oder die fiesen Fremdschämorgien des 70er Komödienkinos. Für eine Katastrophe konnten sie jedoch nix und die spielte sich im Jahre des Herrn 79 ab. Der Vulkan an dessen Hängen sich Teile von Neapel anschmiegen brach aus und begrub unter dem einhergehenden Asche-Fallout die damals dort gebaute Römerstadt Pompeji unter sich, inklusive der dort lebenden Römer. Archäologen haben die Stadt in den letzten 200 Jahren in Teilen wieder freigelegt und die konservierten Funde kann man als Tourist besichtigen, inklusive einiger Leichen, die von der Asche begraben und konserviert wurden.

Hierhin wollten wir als nächstes reisen und mussten dafür nach Neapel und dort umsteigen nach Pompeji. Die nicht allzu weite Reise mit kurzem Aufenthalt in Neapel, einer Stadt, die nicht zu gefallen wusste, mussten wir, Interrail üblich, erst mal zum Campingplatz latschen, wo wir das Zelt aufschlugen. Am nächsten Tag dann stiefelten wir dann zu dem Gelände und flanierten dann durch die Straßen die von den alten Gemäuern, Thermen und Freudenhäusern gesäumt wurden. Von der mediterranen Hitze begleitet machten wir Rast im Amphitheater, welches ich Jahre später deliriös beim Anblick der Konzert VHS Live in Pompeji von Pink Floyd wiedererkennen durfte. Ich meine mich zu erinnern, dass das ganze Szenario irgendwie bedrückend war, zumindest ausgelassene Freude ist mir beim Besuch dieser sehenswerten Stätte nicht in Erinnerung geblieben. Sich beim Anblick der eingebackenen Leichen die Situation vorzustellen, wie das vor knapp 2000 Jahren gewesen sein muss, hat wohl gewirkt. Umso unverständlicher erscheint einem danach die waghalsige Besiedelung des vesuvianischen Umlands. So ein Vulkan, und der Vesuv gilt als aktiv, ist schon eine bedrohliche Urgewalt. Da müsste ich nicht dringend wohnen….

Wir ergriffen dann auch umgehend die Flucht gen Osten und zwar nicht um ein Kleinod in die Feuersbrunst eines Magmaspeienden Ungetüms zu versenken, sondern um das nächste Land zu besuchen, was insbesondere durch antike Geschichte und Brot mit Fleisch berühmt wurde.

Hier fehlt erneut ein konkreter Song, der damals die Szenerie begleitete und so nehme ich einen Auszug aus einem bereits angesprochenen Tonträgers.

Pink Floyd – Echoes